Karakorum 2000
Expedition des deutschen Alpenvereins
Am 9.6.2000 kam für unsere 4-köpfige Expeditionsgruppe, bestehend aus Tomas Regelmann, Rolf Wurster, Arnold Kaltwasser und Harald Gorol, endlich der große Tag an dem wir uns auf dem Stuttgarter Flughafen trafen, um über London nach Rawalpindi in Pakistan zu fliegen.
Eine einjährige Planungszeit und Wochen des sich Gedanken machens, wie es wohl werden könnte und was man an Ausrüstung brauchen würde, lagen hinter uns.
Nach 13-stündigem Flug kamen wir um 5.30 Uhr des nächsten Tages in Rawalpindi an. Zur Übermüdung kam nun noch die tropische Hitze von 47°C im Schatten, die uns zu schaffen machte. Doch im Hotel Shalimar, wo wir für 2 Tage untergebracht waren, erwartete uns eine Klimaanlage und Essen vom „Feinsten“. Zweimal täglich gab es Barbecue am Buffett in den unterschiedlichsten Variationen und anschließend an die 15 verschiedene Nachspeisen zur Auswahl. Unsere gute Laune war zurückgekehrt, bis wir am darauffolgenden Tag, nachdem wir im Tourismus-Ministerium die Formalitäten erledigt hatten, zu Fuß einen Basar erkundeten. Vermutlich hatten wir zufällig einen der „armseligsten“ Basare in ganz Rawalpindi erwischt. Noch nie zuvor hatten wir mit eigenen Augen soviel Armut und nach unserer Vorstellung menschenunwürdige Lebensbedingungen gesehen. Die so nicht erwarteten Verhältnisse hatten uns tief betroffen. Doch nach einiger Zeit nimmt man auch hier lachende Menschen und zufriedenen Gesichter wahr.
Am Montag den 12.06.2000 brachen wir dann um 6 Uhr morgens auf und fuhren mit einem Kleinbus auf dem Karakorum-Highway Richtung Norden. Die nächste Strapaze begann, denn 3 von uns hatten, durch die Ernährungsumstellung bedingt, bereits Durchfall und Magenkrämpfe. Dies machte die 12-stündige Busfahrt nach Chilas auf der denkbar schlechten Straße nicht gerade angenehmer. Dafür aber war für das Auge einiges geboten. Der Karakorum-Highway zieht sich über hunderte von Kilometern durch das Indus-Tal in das sich der Indus-River tief eingefressen hat. Immer wieder entdeckt man einzelne Lehmhütten an den gegenüberliegenden Hängen, wo man eigentlich keine Besiedlung vermutet. Die einzige Verbindung zur anderen Flussseite ist ab und zu mal ein Drahtseil, das mit einer Seilrolle und Selbstzug an einem zweiten Seil, befahren wird.
In Chilas angekommen waren wir froh, die Fahrt heil überstanden zu haben. Wir hatten nur knapp einen Fußgänger verfehlt und waren beinahe mit einem entgegenkommenden Bus kollidiert.
Am nächsten Tag standen wir schon um 5 Uhr auf der Matte, denn wir hatten eine weitere lange Etappe vor uns. Zunächst verlief alles planmäßig. Doch schon bald steuerten wir eine Autowerkstatt an, da an unserem Bus irgendetwas geflickt werden musste. Wir nutzten diese Pause, um in einem Dorflokal grünen Tee zu trinken.
Auf der Weiterfahrt bekamen wir dann für längere Zeit den Nanga Parbat zu sehen, der alle anderen Gipfel weit überragt und mit seiner weißen Kappe mächtig beeindruckt.
Nachmittags in Scardu, der letzten Kleinstadt auf unserem Weg, angekommen, bezogen wir unser Quartier im K2-Hotel und machten uns sofort auf den Weg zum Basar, um Wasserkanister für unsere Zwischendepots und einige Felshaken zu kaufen. Das K2-Hotel ist die Unterkunft fast aller Expeditionen. Man erkennt dies an der langen Galerie von Expeditionspostkarten im Flur, die eine einzigartige Dokumentation der Unternehmungen seit den 80-er Jahren darstellt. Nebenbei konnten wir in unserem Badezimmer auch noch die erste Bekanntschaft mit Kakerlaken machen. Die 4cm großen ungemütlich aussehenden Wuseltiere, fühlten sich hier richtig wohl.
Da wir uns deshalb nicht mehr so wohl fühlten, hatten wir kein Problem damit, am nächsten Morgen schon um 6 Uhr mit 2 Jeeps aufzubrechen zur nächsten Etappe. Der Weg führte durchs Shigar- und Braldu-Tal auf einer extrem schmalen und holprigen Schotterpiste.
Dabei musste ein Bach bei knietiefem Wasser durchfahren werden, da die Brücke irgendwann vom Fluß mitgerissen wurde und auch die Beinahe-Kollision war schon obligatorisch. Nach einer Vollbremsung kamen wir 2 m vor einem Linienbus zum Stehen.
Bei unserer Ankunft in Ascole, dem letzten Dorf in diesem Tal hatten unser zukünftiger Koch Ibrahim und sein Küchenjunge Mirza bereits ein altes zähes Huhn für uns zubereitet.
Nach dem Essen wurde die gesamte Ausrüstung abgewogen und in jeweils 25 Kg -Portionen auf 51 Träger verteilt. Eine nicht ganz einfache Aufgabe für unseren Hunza-Führer Chajehangil, der uns neben Koch und Küchenjunge ebenfalls für die nächsten Wochen zur Seite stehen sollte.
Zum Abendessen gab es dann wieder Huhn, aber diesmal ein junges, das kurz zuvor geschlachtet wurde.
Am nächsten Morgen wurden wir wie immer bei Sonnenaufgang geweckt und konnten uns bereits um 6.30 Uhr auf den Weg machen. Bis zu unserem Basislager hatten wir 4 Tage Fußmarsch vor uns, mit Etappen von 8 – 10 Stunden.
Das erste Zwischenlager errichteten wir in Jola, wo unser Trinkwasser einem reißenden Bach eines Seitentales entnommen wurde und dessen Farbe schon einem Schwarztee glich, ehe es mit diesem aufgebrüht wurde.
Die große Hitze den ganzen Tag über und nicht genug zu trinken führte bei 2 von uns zu einem leichten Sonnenstich, so dass wir das Mittagessen ausfallen ließen und das schmutzige Wasser ungekocht tranken.
Etappe Nr. 2 führte uns dann von Jola nach Paiju, wo eine kleine Steinhütte das letzte „Hotel“ im Tal darstellte und der Bach der durch den Zeltplatz fließt voll war mit Ziegenknochen und anderem Abfall. Der Gestank war entsprechend penetrant.
Eine längere Unterhaltung mit mehreren Führern, die hier lagerten verunsicherte uns zunächst, denn es stand die Meinung im Raum, „unser“ Berg sei schon bestiegen. Nachdem wir dann mehrere Karten miteinander verglichen hatten, kamen wir zu dem Schluss, dass es sich bei dem bestiegenen Berg um den ‚Lobsang Spire’ handeln müsste und dass dieser direkt hinter unserem angestrebten Ziel steht. Wir waren also wieder zufrieden.
Endstation der 3. Tages-Etappe war schließlich Urdukas, ein kleines Militärlager direkt auf dem Gletscher, hinter dem sich, in den Hang und in große Felsblöcke integriert, der öffentliche Zeltplatz befindet.
Nachts um 2 Uhr wurden wir durch lautes „Geschrei“ plötzlich geweckt, das sich bei genauerem Hinhören jedoch als Gesang deuten ließ. Ein Träger sang sein Nachtgebet. Eine viertel Stunde lang ohne Unterbrechung, mit ergreifender Stimme. Der Eindruck saß so tief, daß es mit Schlafen vorerst vorbei war.
Am nächsten Morgen hatten wir nur noch eine kurze Strecke vor uns. In 1 ½ Stunden überquerten wir den Gletscher und nach einer weiteren Stunde hatten wir den idealen Platz für unser Basislager am Fuße der Lopsang-Berge gefunden.
Nachdem wir unsere Zelte aufgeschlagen hatten, konnten wir uns den Rest des Tages ausruhen, während Chajehangir, unser Führer, die Träger ausbezahlte, die verständlicherweise so schnell wie möglich wieder zurück wollten.
Am Nachmittag schlachtete Ibrahim die Ziege, die er in Ascole gekauft hatte. Sie war den ganzen Weg an der Leine eines Trägers mitgegangen und dazu bestimmt, die folgenden Wochen unseren Speiseplan aufzuwerten. Zum Abendessen gab es also, wie bei jedem Schlachtfest, gebratene Leber und der Rest wurde erstmal in einer Gletscherspalte versenkt.
Am folgenden Tag war wieder Arbeit angesagt. Mit Hilfe von 5 Trägern, die noch einen Tag länger geblieben waren, schleppten wir Wasserkanister, Trockennahrung und unsere 200 kg Kletterausrüstung zum Einstieg, den wir allerdings erst noch bestimmen mussten.
Wir hatten nicht, wie ursprünglich geplant, die Südost-Wand für unseren Aufstieg gewählt, da uns der lange Grat vom Vorgipfel bis zum Gipfelaufschwung, den wir bereits beim Anmarsch mit dem Fernglas inspiziert hatten, viel zu viele Probleme bereitet hätte.
Stattdessen entschieden wir uns für die kompaktere Westwand, die wir in 1½ Std. ab Basislager über den Biaho-Gletscher erreichen konnten. Von der Mitte des Gletschers aus war die Wand recht gut zu überblicken und so konnten wir unsere Kletterroute schon mal grob festlegen.
Am Einstieg stellten wir dann noch ein Zelt auf, das für Notfälle gedacht war und unsere Solaranlage trockenhalten sollte. Tage später wurde dieses Zelt von einem Stein getroffen, der beide Seitenwände durchschlug.
In den folgenden 3 Tagen gab es immer wieder Regenschauer, und so mussten wir uns im Basislager irgendwie beschäftigen. Da gab es ja auch noch unsere 265 Postkarten, von denen viele mit persönlichen Grüßen zu versehen waren. Die Post aller Expeditionen wird regelmäßig von einem Mail-Runner (Post-Renner) abgeholt, der die ganzen Basislager bis zum K2 und Gasherbrum abklappert und mit tausenden von Postkarten im Rucksack zurückkehrt. Den Standort unseres Basislagers erfuhr der Mail-Runner von unserem Koch Ibrahim, der einige Male bei Dunkelheit, mit einer Taschenlampe, Morsezeichen über den Baltoro-Gletscher nach Urdukas schickte, bis er eine Antwort erhielt.
Ansonsten erkundeten wir in den Regenpausen die Umgebung und entdeckten dabei einen 100 m hohen Wasserfall der am Wandfuß in einen kleinen See mündete und ein paradiesisches Panorama bot. Tage später nutzten wir den See zum Baden und Wäsche waschen. Ein anderer Zeitvertreib, das Sammeln schöner Steine, artete teilweise in eine richtige Leidenschaft aus. Auf dem Baltoro-Gletscher fanden wir eine solche Vielfalt an Gesteins-Arten -Formen und -Farben, dass ein Rucksack schnell voll war.
Am Wandfuß gab es dann noch die vielen Blumen in kräftig leuchtenden Farben zu bewundern und Kräuter, deren intensiver Duft die ganze Luft erfüllte und an südfranzösische Lavendelfelder erinnerte.
Am Freitag, den 23.6. war es dann so weit. Wir hatten wieder schönes Wetter und konnten endlich in unsere Tour einsteigen. Da wir uns erst einmal warm arbeiten mussten und die gesamte Koordination noch nicht so ausgefeilt war, kamen wir an diesem Tag auch nur 3 Seillängen voran.
Die folgenden beiden Tage waren wir wieder ans Basislager gebunden, da Harald und Tom krank wurden. Doch der Kräutertee, den unser Trekking-Führer aus frisch gesammelten Kräutern zubereitete, brachte die beiden bald wieder auf die Beine und so konnten wir am 26.6. in aller Frühe wieder einsteigen. An diesem Tag schafften wir 4 Seillängen und brachten noch Fixseile und Wasser nach oben bevor wir ins Basislager zurückkehrten.
Am nächsten Morgen war keiner von uns zu bewegen, aus dem Schlafsack zu kriechen, da die Anstrengung beim Jümarn (Aufstieg am Fixseil mit Steigklemme) mit 30-40 kg Rucksackgewicht doch zu groß war und sich der Körper in großen Höhen eben nicht mehr so schnell erholt. Also legten wir einen Ruhetag ein und waren dafür am folgenden Tag umso besser regeneriert. Nach einem weiteren Klettertag erreichten wir die 11. Seillänge.
Einem erneuten Ruhetag folgten dann noch 4 Regentage, die uns in unserem Zeitplan nun ziemlich unter Druck setzten. Die Tage im Basislager wurden lang und länger und Steine hatten wir mittlerweile auch schon zu viele gesammelt.
Als wir dann endlich wieder klettern konnten, wurden wir zu unserem Schrecken in der letzten Seillänge von einem kleinen Wasserfall überrascht, so dass wir den Routenverlauf ändern und das letzte Fixseil abbauen mussten um nach rechts auszuweichen. Wir hatten nun auch unsere Biwakausrüstung mitgeschleppt und übernachteten zum ersten Mal in der Wand. Der Biwakplatz war eben und groß genug aber nicht allzu breit, so dass wir die Nacht über angeseilt blieben, um nicht während des Schlafens aus der Wand zu fallen.
Am nächsten Tag erreichten wir Lager 2, kamen aber nur 2 Seillängen voran, da sich Tom mit Arnold abseilen musste. Arnold ging es infolge des Wassermangels und der großen Anstrengungen nicht gut und so übernachteten die beiden in dem Zelt am Einstieg, damit er sich in geringerer Höhe schneller erholen konnte.
Wasser, das nun äußerst knapp geworden war, gewannen wir in Lager 2 mühsam mit einem umgekehrt geschlagenen V-Haken, der ein winziges Rinnsal aus einer Felsritze in unsere Wasserflasche leitete. Als diese Quelle am nächsten Tag versiegte, tranken wir aus der Pfütze, die sich hinter einer Felsschuppe gebildet hatte, und die nach einigen Minuten immer wieder vollgelaufen war.
Am vierten Tag in der Wand schafften wir 5 Seillängen und fanden glücklicherweise in einer Seitenschlucht, in die wir uns abseilen konnten, fließendes Wasser, um unsere Kanister und Flaschen zu füllen. Am Ende der 5. Seillänge waren wir auf einem Grat angekommen und seilten wieder ab bis Lager 2, wo wir uns mit Tom und Arnold trafen, die sich den ganzen Tag wieder an den Fixseilen hochgearbeitet hatten. In dieser Nacht waren wir zum ersten Mal alle zusammen am selben Biwakplatz.
Wenn es nachts nicht gerade schneite und der Himmel zwischendurch aufriss war es ein besonderes Erlebnis, die unzähligen Sterne zu beobachten. Man glaubte wirklich, am pakistanischen Himmel doppelt so viele Sterne zählen zu können als am europäischen. Morgens wurden wir dann regelmäßig von den Rufen der Berg-Dohlen geweckt und der erste Blick ging immer zur Kathedrale, einem 5866 m hohen, mächtigen Massiv, das in unzähligen spitzen Zacken gipfelt und einen erhebenden Anblick bot.
Besser konnte ein Klettertag nicht beginnen.
Höhe und Strapazen forderten am nächsten Morgen ihr zweites Opfer. Diesmal ging es Harald nicht gut, doch war er noch in der Lage, alleine abzuseilen und ins Basislager zurückzukehren, während wir unsere Biwakausrüstung bis zum Grat brachten und die Kletterausrüstung, nach leichter Kletterei, noch 200 m höher, am Fuß des Gipfelaufschwungs deponierten.
Ständiger Funkkontakt, wenn wir in 2 Gruppen unterwegs waren, erleichterte uns vieles und so wussten wir an unserem letzten Klettertag, daß Harald wieder auf dem Weg nach oben war und dringend benötigte Vorräte mitbrachte. An diesem Tag schafften wir noch 4 Seillängen des steilen Gipfelaufschwungs, wobei Arnold leider wieder pausieren musste und am Ende des Grates auf uns wartete. In der 4. Seillänge wurden wir von dichtem Schneetreiben überrascht, doch stiegen wir weiter bis wir nass und durchgefroren waren und uns keine andere Wahl blieb, als abzuseilen und bis Lager 3 abzusteigen. Hier kam uns wie abgesprochen Harald entgegen und wir begannen unsere Situation zu analysieren. Das Wetter hatte uns endgültig einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir sahen keine Chance mehr auf einen Gipfelerfolg. Schon die Nächte zuvor hatte sich die Schlechtwetterperiode, die sich nun vollends durchsetzte, angekündigt. Es hatte nachts immer wieder geschneit, was jedoch nicht weiter schlimm war, da sich morgens die Sonne durchsetzen konnte und der Fels schnell wieder trocken war. Doch nun hielt das Schneetreiben den ganzen Tag an.
So beschlossen wir, uns dem Karakorum-Wetter zu beugen und die Route am nächsten Tag abzubauen.
Insgesamt hatten wir 27 Seillängen geklettert und bewerteten 2 Stellen mit dem Schwierigkeitsgrad 7-.
Die Charakteristik des Anstiegs war überwiegend Verschneidungs-und Plattenkletterei in kompaktem, nicht allzu hartem Granit mit häufig, durch Verwitterung, bröselnder Oberfläche.
Zur Absicherung waren Friends und Klemmkeile unerlässlich. Normalhaken konnten teilweise nur schlecht oder gar nicht geschlagen werden, da vielversprechende Risse oft nach einigen Millimetern völlig geschlossen waren.
Die Kletterei war insgesamt ein einmaliger Genuss und so bedauerten wir sehr, dass wir einen der schönsten Wandteile, den Gipfelaufbau, nicht mehr klettern konnten.
Nach dem Abbau der Route verstauten wir die 700 Meter Fixseile und unsere Kletterausrüstung wieder in den Fässern und machten uns am späten Nachmittag auf den Rückweg.
Im Basislager wurden wir aufs herzlichste empfangen und bekocht, als hätten wir's verdient. Zum Nachtisch gab es eine Riesenschüssel reich verzierten Pudding, in den ein Stück Karton mit folgender Originalaufschrift gesteckt war.
Übersetzt heißt dies ungefähr:
Seid alle herzlich Willkommen.
Es macht nichts, wenn Ihr keinen Gipfel erreicht habt.
Seid allzeit glücklich.
Viel Glück für eure zukünftigen Klettertage wo immer auch auf der Welt.
Seid allzeit glücklich.
Viel Glück für eure zukünftigen Klettertage wo immer auch auf der Welt.
Am nächsten Morgen dann, machte sich unser Trekking-Führer auf den Weg nach Urdukas und Korofon, um die 30 Träger, die wir für den Rücktransport brauchten, zusammenzutrommeln. Die ersten, die er traf schickte er gleich zu uns und wir waren froh, dass dadurch unsere Kletterausrüstung schon einen Tag später wieder im Basislager war. Für die Träger war dieser kleine Sonderauftrag zudem ein gutes Geschäft, denn sie konnten den Preis direkt mit uns aushandeln anstatt über Ihre Agentur.
Nach 3 Tagen Fußmarsch erreichten wir Ascole, wo man uns mitteilte, daß der Fahrweg nach Scardu durch starke Regenfälle unpassierbar geworden sei. Wir hatten schon die schlimmsten Befürchtungen, da unser Rückflug ab Islamabad zu einem festen Zeitpunkt gebucht war. Doch nach einer Stunde tauchten plötzlich 2 Jeeps auf, die für uns und unser Gepäck bestimmt waren. Wir wussten nicht wie weit wir kommen würden und es konnte uns auch niemand etwas genaueres darüber sagen. Am späten Nachmittag kamen wir dann an eine Stelle, wo die Schotterpiste durch einen reißenden Fluss vollkommen weggespült war.
Die Bewohner des auf der anderen Seite des Flusses liegenden Dorfes hatten aus 4 Baumstämmen eine Behelfsbrücke gebaut, die zu Fuß mühsam zu überqueren war und für die eine ordentliche Summe Wegezoll verlangt wurde.
Nachdem aber auf der anderen Flussseite plötzlich zwei weitere Jeeps auftauchten, die für uns wie gerufen kamen, einigte sich unser Trekking-Führer mit den Brückenbauern und wir konnten passieren, um unsere Fahrt fortzusetzen.
Einige Kilometer weiter erwartete uns die nächste Überraschung. Diesmal war der Weg durch einen Erdrutsch versperrt und wir mussten 200 Höhenmeter über einen Bergrücken steigen, wo auf der anderen Seite abermals Jeeps auf eventuelle Fahrgäste warteten. Beim Abstieg sahen wir das Ausmaß der Verschüttungen. 3 Meter hoch war der Weg auf einer längeren Strecke zugeschüttet und nur 2 Mann waren mit Schaufeln dabei, das lose Geröll in den Fluß zu befördern. Uns wurde schnell klar wieviel Glück wir noch hatten, dass die beiden Jeeps zufällig zwischen den unpassierbaren Stellen eingeschlossen waren.
Spät in der Nacht kamen wir in unserem Hotel in Scardu an und freuten uns über die warme Mahlzeit, die schnell noch für uns zubereitet wurde. Nun hatten wir nur noch die 2 Tage Bus-Trek vor uns, bis wir wieder im gewohnten Hotel Shalimar in Rawalpindi unsere
Füße hochlegen konnten.
Füße hochlegen konnten.
Die letzten 3 Tage in Rawalpindi waren dann auch reine Erholung.
Von der Expeditionsagentur bekamen wir ein Auto samt Fahrer zur Verfügung gestellt, so daß wir zusammen mit unserem Trekking-Führer noch Stadtbesichtigungen, Basarbesuche und einen Ausflug in die nähere Umgebung machen konnten. Der Chef der Agentur war, wie alle seine Mitarbeiter, sehr bemüht, dass wir uns in Ihrem Lande wohl fühlten und einen guten Eindruck mit nach Hause nehmen konnten. Nebenbei ist er auch noch der erste Pakistani, der den K2 bestieg und hat durch seine bergsteigerische Laufbahn die nötige Erfahrung, um eine Expedition so gut wie möglich zu unterstützen.
Unser Rückflug ging dann von Islamabad über London nach Stuttgart, wo wir von unseren Angehörigen abgeholt wurden, die sich natürlich riesig freuten, dass alle ohne größere Blessuren davongekommen waren.
Zum Schluss und nach einigen Wochen zeitlichem Abstand bleibt noch zu sagen, dass die Expedition auch ohne Gipfelerfolg für alle Teilnehmer ein ganz großes Erlebnis war, das für immer in unserer Erinnerung bleiben wird.
Jeder hat sein Bestes gegeben und sehr viel geleistet.
Die Herzlichkeit, mit der wir in einem uns gänzlich fremden Land aufgenommen wurden, ist beispielhaft und hat uns gezeigt, dass die Vorstellungen, die wir als Europäer über diesen islamischen Staat hatten, nicht der Realität entsprachen, da wir gerade hier sehr viel an Toleranz und gegenseitigem Respekt erfahren durften.
Wir werden auch weiterhin mit unseren Kameraden Chajehangil (Trekking-Führer), Ibrahim (Koch) und Mirza (Küchenjunge) in schriftlichem Kontakt bleiben und hoffen, sie vielleicht bei der nächsten Expedition wieder zu sehen.
R.Wurster